2. Grundlage
Als Gina Bolle im September 2024 eines ihrer Kunstwerke in einer Glasvitrine im öffentlichen Raum in Marburg installierte, fiel ihr auf, dass es blinden und sehbehinderten Passant*innen nicht möglich war, die Kunst zu erfahren. Sie fand auch heraus, dass es in Marburg wenig Kunst im öffentlichen Raum von oder für blinde und sehbehinderte Menschen gab. Dies führte zu einer kritischen Reflexion: Für wen ist Kunst im öffentlichen Raum eigentlich konzipiert?
Michael Warners Konzepte von Öffentlichkeit und „Gegenöffentlichkeit” verstehen sich als selbstorganisierte „poetic worldmaking“[3]. Historische Marginalisierung schränkt jedoch das Potenzial zum „worldmaking” ein[4]. Öffentliche Räume werden von Normen geprägt, die nicht-normative Körper oft ausschließen. ResonanzSkulpturen greift die Idee der „Gegenöffentlichkeit” auf, durchbricht ableistische Denkweisen und schafft reichere, inklusivere Erfahrungen in der Öffentlichkeit. Barrieren werden zum kreativen Impuls – verwurzelt in den physischen, sensorischen und sozialen Realitäten des urbanen Lebens.
Marburg ist ein geeigneter Ausgangsort für das Projekt: Als inoffizielle „Blindenhauptstadt“ Deutschlands ist sie eine Vorreiterin in barrierearmer Stadtplanung – mit taktilen Leitstreifen und akustischen Signalen, die schon vor der UN-Behindertenrechtskonvention von 2006 installiert wurden[5]. Dennoch hat sich diese Vorreiterrolle bislang nicht umfassend auf die künstlerische Gestaltung des öffentlichen Raums übertragen. ResonanzSkulpturen knüpft an dieses Erbe an, indem es eine künstlerische Dimension einführt, die öffentliche Infrastruktur als Raum für sinnliche und soziale Verbindung neu denkt. Mit Unterstützung des Fachdienst Kultur der Universitätsstadt Marburg, der Sparkasse Marburg-Biedenkopf, der ideellen Unterstützung der Museumsfreunde e.V. und der Musikschule e.V., sowie von Einzelpersonen wie Frau Ulrike Schönhagen und der Kuratorin Emma Fearon startet das Projekt auf gemeinschaftlicher Grundlage.
Verantwortlich für das Projekt:
© Gina Bolle – freischaffende Künstlerin und Fotografin, Berlin, DE
Verantwortlich für die Website:
Emma Fearon –
Kunstkuratorin und
PhD. Candidate der University of Exeter, Exeter, UK
Stand: Januar 2026