4. Recherche & Entwicklung


Im Kern stellt ResonanzSkulpturen einen direkten Gegenentwurf zum vorherrschenden westlichen Okkularzentrismus dar – also der Fokussierung auf das Sehen, die eine körperliche Erfahrung vernachlässigt[7]. Während das Konzept des „Blind Gain“ (angelehnt an das „Deaf Gain“) zunehmend bekannter wird, kommt es zum direkten Aufruf, die „Die Aufteilung des Sinnlichen“, orig. „Le partage du sensible“[8] zu hinterfragen. Das Projekt bringt nicht-normative körperliche Fähigkeiten in den Fokus. Es fordert eine vielfältige Wahrnehmung und wertet dadurch andere „ways of knowing” neu auf[9].

ResonanzSkulpturen ist auch durch das Konzept der „Sozialen Plastik” von Joseph Beuys inspiriert, in der Menschen prozesshaft und kreativ die Verhältnisse in der Gesellschaft verändern und formen[10]. Kunst und öffentliche Teilhabe werden hier als partizipativer, sozialer und räumlicher Prozess verstanden – als ein Resonanzraum, der sich durch die Mitwirkung der ihn Durchquerenden ständig verändert.

Im Zentrum steht dabei Sicherheit im öffentlichen Raum – verstanden durch eine feministische Ethik der Fürsorge („Feminist Ethics of Care”)[11]. Zudem knüpft das Projekt an José Muñoz’ und Ernst Blochs Konzept der „Utopie” an. „Fürsorge (care)” wird hier nicht als passive Geste, sondern als aktiver Aufbau alternativer Zukünfte verstanden [12] [13]. Sie ist sowohl politische als auch materielle Praxis – als Methode der skulpturalen Gestaltung und als Form der Auseinandersetzung mit „Gegenöffentlichkeiten” („counter-public”). Die ResonanzSkulpturen werden zum Berühren einladen und wecken dadurch räumliche Erinnerungen, unterwandern visuelle Dominanz und setzen sich somit für das Sichtbarmachen behinderter Körper im öffentlichen Raum ein. Inspiriert von feministischen Theorien, die Interdependenz und Relationalität in den Mittelpunkt rücken, sollen die Skulpturen zu einem  Ort werden, der auf eine inklusive urbane Zukunft verweist. Die Entwürfe dafür beharren darauf: Sicherheit bedeutet nicht nur Schutz, sondern auch Zugehörigkeit. 
Fürsorge und Platz für alle Körper in ihrer Unterschiedlichkeit wird im öffentlichen Raum mitgedacht und damit Würde geboten.


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Verantwortlich für das Projekt:

© Gina Bolle – freischaffende Künstlerin und Fotografin, Berlin, DE

Verantwortlich für die Website:
Emma Fearon –  Kunstkuratorin und  PhD. Candidate der University of Exeter, Exeter, UK

Stand: Januar 2026